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Matthias K.

Matthias K. war eigentlich nur auf der Durchreise. Die stetige Begleiterin und einzige Vertraute des gesellschaftlich isolierten Obdachlosen war seine Katze Skambi. Sie half ihm die bittere Einsamkeit, die das Straßenleben mit sich bringt, zu überwinden und nicht in den Wahnsinn getrieben zu werden, wie er selbst sagt. Doch das innige Verhältnis zu seiner Katze wurde durch eine Auseinandersetzung mit einem Polizeibeamten beendet. Dabei ging es um einen missverständlichen Wortwechsel, wobei die schockierte Katze floh und Herr K. den Beamten daraufhin beleidigte. Dieser brachte die Beleidigung zur Anzeige.

Um auf den Prozess zu warten, hielt sich Herr K. in Trier auf, wo ein EinTritt-Mitarbeiter auf ihn Aufmerksam wurde. Nach einigen Gesprächen zog Matthias K. als erste Person in die neu angemietete Reso-Station der Kampagne. Dort wurde er angemeldet und erhielt eine staatliche Unterstützung in Form von Hartz IV. Mit Fleiß half er bei den Renovierungsarbeiten und beschloss seinen allabendlichen Alkoholkonsum aufzugeben. Er zeigte sich begeistert von der Idee der Re-Integration und stellte Verbindungen zu anderen Obdachlosen mit EinTritt her.

Die Richterin des Amtsgerichts zeigte sich bei dem Prozess aufgrund seiner Bemühungen milde und konnte die Differenzen zwischen ihm und den Polizeibeamten einvernehmend beilegen.

Einige Monate später besuchte der 54-jährige Matthias K. seine Mutter um frühere Konflikte auszusöhnen. Von ihr erhielt er die Nachricht, dass seine geschiedene Frau und sein Sohn in einer französischen Großstadt leben, worauf er nach Frankreich reiste. Durch einen glücklichen Zufall traf er tatsächlich seinen Sohn. Matthias K. ist bei ihm geblieben. Er fand eine Wohnung mit der Möglichkeit zum Einkommenserwerb und schrieb den EinTritt-Mitarbeitern noch viele Monate später bunte Postkarten.