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Jörg B.

Der Weg von Jörg B. war wesentlich schwerer als der von anderen und hat unseren Mitarbeitern viel Kraft gekostet. Der an Polytoxikomanie erkrankte Straßenmusiker konnte aufgrund von Polyneuropathie kaum noch laufen. Der 40-Jährige war wegen seinen zahlreichen Erkrankungen nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen, geschweige denn die ihm zustehende sozialstaatliche Unterstützung zu beantragen. Ohne die Hilfe seiner ebenfalls obdachlosen Freunde hätte er möglicherweise den Winter 2009/2010 nicht überlebt.

Nachdem Jörg B. den Mut fasste und Trier bewegt eine Vollmacht unterschrieb, konnte der bürokratische Marathon begonnen werden. Nach dem Ausfüllen zahlreicher Formulare und dem Beantragen von verlorengegangenen Dokumenten, wurde er nach einem Monat Auseinandersetzung mit Behörden und Krankenkasse in die Fachklinik Vielbach eingewiesen.  Dort wurde unter anderem ein stark entwickeltes Korsakow-Syndrom (Gedächtnisstörungen) festgestellt. Daraufhin wurde Herr B. zur Fachklinik Eußerthal weitervermittelt.

Obwohl die zuständigen Ärzte und die EinTritt-Mitarbeiter vehement für eine gesetzliche Betreuung plädierten, wurde dem von seitens des Betreuungsamtes nicht zugestimmt. Auch andere Behörden und die Krankenkasse stellten sich quer, so dass es für die Therapie im Nachhinein keine Kostenzusage mehr gab und Herr B. ohne einen Cent seine Tage in der Klinik verbringen musste. Viele Menschen hätten bei dem Druck, die Therapie durchzustehn, während dessen ohne Geld auskommen und schnellsten eine Krankenversicherung bekommen zu müssen, sicherlich aufgegeben. Herr B. allerdings vergaß wegen seiner Erkrankung die bestehenden Probleme innerhalb von Minuten.

Doch ohne angemessene Betreuung war der Rückfall dennoch vorprogrammiert. Alten Verhaltensmustern folgend und ohne sich an die erfolgreich abgeschlossene Suchtherapie zu erinnern, folgte Jörg B. einer Einladung auf ein Bier. Das genügte um den ehemailgen Suchtdruck wieder zu erlangen. Er begann wieder zu trinken, verlor durch den Alkohol seine Unterkunft und  stoppte damit den Regenerierungsprozess der Fußkrankheit und des Korsakow.

Erst nach der Intervention des Ministeriums für Soziales wurde nach sieben Monaten einer gesetzlichen Betreuung dann doch zugestimmt. Der gesetzliche Betreuer mobilisierte Herrn B. mit der Hilfe von "Die Tür" e.V. noch vor Einbruch des Winters 2011, so dass Jörg B. den Mut erneut fasste, sich in stationärer Behandlung zu begeben. Seit einigen Monaten kann er nun in einer angemessenen Umgebung rehabilitieren.